Keine Monster, sondern Gegenwart
Der Titel ihres Debütromans führt zunächst in die Irre. „Zeit der Monster“ sei keine Horrorgeschichte, sagt Şeyda Kurt. Die Monster stünden vielmehr für die Krisen unserer Gegenwart: Klimawandel, Vergessen und das Gefühl, dass der Untergang oft realistischer erscheint als eine bessere Zukunft.Geschichte unter der Oberfläche
Der Roman spielt in einem Viertel, das an Köln-Kalk erinnert. Doch Şeyda Kurtverbindet dessen Gegenwart mit weit zurückreichenden historischen und geografischen Bezügen – bis nach Mesopotamien und Kurdistan. Vergangenheit wirke immer in die Gegenwart hinein, sagt sie. Deshalb lasse sich kein Ort erzählen, ohne seine Geschichte mitzudenken.Eine Sprache gegen die Sparsamkeit
Nach zwei Sachbüchern wollte Şeyda Kurtdie Möglichkeiten des Romans ausloten. Sie setzt auf eine sinnliche, üppige Sprache – bewusst gegen das Ideal, Literatur müsse möglichst knapp sein. Die Forderung, „kein Wort zu viel“ zu schreiben, hält sie für Ausdruck einer bürgerlichen Ästhetik, der sie etwas Eigenes entgegensetzen möchte.Literatur als Heimat
Am Ende beschreibt Şeyda KurtLiteratur mit einem Gedanken von Novalis: Schreiben bedeute für sie, überall zu Hause sein zu wollen. Deshalb versteht sie „Zeit der Monster“ nicht nur als Roman über Köln-Kalk, sondern als Geschichte über Verlust, Suche und Widerstand, die auch an vielen anderen Orten der Welt spielen könnte.Fler avsnitt av SWR Kultur lesenswert - Literatur
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