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Anschaulich: Richard Dawkins' „Das große Buch der Evolution“

4 min22 april 2026
Was haben Walfisch und Flusspferd gemein, außer ihrer engen Beziehung zum Wasser? Es sind ihre Vorfahren, von denen sie beide abstammen. Warum singen Vogelmännchen viele verschiedene Lieder? Weil sie ihren Konkurrenten damit vorspiegeln, dass sich im Revier schon viele Artgenossen tummeln, und für weitere kein Platz mehr ist. Fachleute wird derlei kaum wundern, aber Laien bekommen viel zu staunen bei der Lektüre des „Großen Buchs der Evolution“ von Richard Dawkins.  

Die Schlüsselrolle des Genpools

Aber solche verblüffenden Tatsachen sind nur ein unterhaltsamer Nebenaspekt dieser „Neuen Sicht auf die Entwicklung des Lebens“ die der Untertitel des Buches verspricht. In der Hauptsache bietet der vierundachtzigjährige Biologe hier eine Summe seiner Forschungen und eine erneute Bekräftigung seiner zentralen Erkenntnisse über die Entwicklung von Tieren und Pflanzen. Denn entscheidend für die Evolution sind in seinen Augen einzig und allein die Gene. Daraus gehe alles hervor, darin sei die Geschichte der Evolution gespeichert.  
Der Genpool einer Spezies ist über viele Generationen so geworden, wie er ist, vorwiegend durch einen Prozess der nicht zufälligen Bildhauerei. Der Bildhauer ist die natürliche Selektion. 

Quelle: Richard Dawkins – Das große Buch der Evolution

Lesen im Archiv der Zähne 

In diese genetischen Informationen sind auch alle früheren Entwicklungsschritte der Lebewesen eingeschrieben. Darum ist jedes Tier für Dawkins eine faszinierende Lektüre, die darüber Auskunft gibt, in welchen Landschaften es einmal heimisch war. Markante Beispiele dafür sind die Methoden der Tarnung, mit denen Tiere versuchen, sich für die Beutegreifer, die es auf sie abgesehen haben, unsichtbar zu machen. Die Eidechse aus der Mojave-Wüste zum Beispiel, die sich als Baumrinde tarnt. So wie man schon in der Spätantike davon sprach, im Buch der Natur zu lesen, so liest auch Dawkins im liber naturae und gewinnt daraus Einsichten über frühere Umwelten: 
Wenn man in den Zähnen eines Tieres richtig liest, erzählen sie eine Geschichte. In vielen Fällen ist es eine Geschichte über vorzeitliche Graslandschaften oder Laubwälder. Zähne sind ein Archiv der Vorgeschichte.

Quelle: Richard Dawkins – Das große Buch der Evolution

Systematisch verfolgt Dawkins die zahlreichen Wege, auf denen sich die Tierwelt zu Wasser und zu Land in unzähligen Körpergestalten und Verhaltensweisen herausgebildet hat.

Wissenschaftliche Kontroversen 

Allerdings ist Dawkins' Ansicht über die zentrale Rolle der Gene im Prozess der Evolution nicht unumstritten. Diesen Kontroversen widmet er ein eigenes Kapitel, in dem er seine Position als einzig mögliche verteidigt.
Ganz gleich, wie kompliziert die Teile eines Lebewesens sind: Sobald es um das besondere Thema der Evolution durch darwinistische natürliche Selektion geht, gibt es eine bevorzugte Kausalitätsebene. Das ist die Ebene des Gens.

Quelle: Richard Dawkins – Das große Buch der Evolution

Doch gleich, ob Richard Dawkins bis ins letzte recht hat oder nicht: sein „Großes Buch der Evolution“ bietet gründliche Einblicke in den aktuellen Stand der Wissenschaft. Darüber hinaus ist sein Werk, nicht zuletzt dank der zahlreichen Illustrationen von Jana Lenzová, zugleich ein Lobgesang auf die erstaunliche, bezaubernde Vielfalt und Schönheit der irdischen Lebensformen und die faszinierenden Wege, auf denen sie entstanden sind.

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