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Die Universität als Sprachgrab: Dario Ferraris Roman „Die Pause ist vorbei“

4 min3 maj 2026
Dass es mit der deutschen Italien-Sehnsucht auch nach Goethe und der Toskana-Fraktion noch nicht vorbei ist, dafür trägt seit vielen Jahren der Berliner Wagenbach Verlag Sorge.  Inhaltlich treu dem hauseigenen Motto: „Geschichtsbewusstsein, Anarchie und Hedonismus“ versorgt Wagenbach den deutschsprachigen Buchmarkt beständig mit Übersetzungen bedeutender italienischer Neuerscheinungen und Klassiker.

Aus dem Leben eines Taugenichts 

Genau am richtigen Ort zu sein scheint daher auch Dario Ferraris „Die Pause ist vorbei“. Ferrari, Jahrgang 1982
und von Beruf Lehrer in Rom, gelang mit diesem Universitätsroman ein Überraschungserfolg vor allem bei jungen Lesern.  Diese fanden offenbar reichlich Identifikationspotenzial in Marcello, der Hauptfigur des Romans, der mit seinen knapp 30 Jahren das Bilderbuchleben eines Langzeitstudenten führt und nur daran arbeitet, wenn es sich wirklich nicht verhindern lässt. Die alte Parole des „Lebe den Tag!“ verwandelt sich bei ihm in ein gemütliches „Leben und leben lassen!“: „Ich glaube, ich habe mich keiner bedeutsamen Weggabelung meiner Existenz mit einer gewissen Bedenkzeit oder mit einem langfristigen Ziel im Hinterkopf genähert. Denn am liebsten bewege ich mich gar nicht, versuche, alles auf die lange Bank zu schieben, bis sich am Ende sämtliche Möglichkeiten in Luft aufgelöst haben und ich mich wieder gemütlich in den Kokon meines Phlegmas verpuppen kann.“  Marcellos Leben pendelt berechenbar zwischen der kleinen toskanischen Küstenstadt Viareggio und dem benachbarten Pisa, deren Universität er erst viele Jahre als Student und nun als Doktorand treu verbunden ist. Wobei das mit Doktorat in seinem Umfeld anfänglich niemand so recht glauben mag – am wenigsten Marcello selbst. Aus Angst, sein Vater könnte ihn, den Berufsverweigerer, hinter den Tresen seiner Bar zwingen, bewirbt er sich pro forma auf ein Promotionsstipendium in der Literaturwissenschaft – und erhält, als Nachrücker, den begehrten Platz. 

Forschung als Kalkül 

Über die drei Jahre seiner Promotion hinweg begleiten die Leser fortan Marcello bei seinem Versuch, im Dschungel der Universität irgendwie zu überleben. Ist eine bürokratische Hürde genommen, wartet an der nächsten Ecke ein Crashkurs in akademischer Unterwerfung.  Von seinem Mitdoktoranden Carlo lernt er, dass es in der Forschung nicht etwa um bahnbrechende Einsichten, sondern um die Nennung der richtigen Namen geht: „Du musst deinen Aufsatz im Verhältnis zu denjenigen positionieren, die er auch nur ansatzweise streift, will heißen, zu all denen, die über ein Minimum an Macht verfügen und die mit deinem Thema – und sei es vor zwanzig Jahren, sei es nur marginal – in Berührung gekommen sind. Du musst alle zitieren, die an den entscheidenden Stellen sitzen.“ Aus der Perspektive eines gutmütigen und naiven Hochstaplers entwickelt Dario Ferrari in „Die Pause ist vorbei“ eine sehr realistische Satire auf den Universitätsbetrieb, die rein gar nichts zu tun hat mit dem nostalgischen BookTok-Hype des „Dark Academia“. In eine besonders abstruse – und prekäre – Lage gerät dabei der Anspruch geisteswissenschaftlicher Forschung, deren Sprach- und Sozialformen, Kongresse und kalkulierende Publikationspolitik Ferrari genüsslich seziert.  

Leiden an der Bildungssprache 

Verstärkt wird dieser Genuss an der eigenen Spitzfindigkeit durch den mündlichen Ton des Romans, der in der Hauptsache aus den inneren Monologen Marcellos besteht. Die vielen Volten und ellenlangen, elaborierten Sätze, die in einem dynamischen Zwiegespräch durchaus reizvoll sein können, werden auf dem Papier allerdings schnell ermüdend. Und dann ist da noch Ferraris Hang zu Doppelpunkten, mit dem der Autor auf buchstäblich jeder Seite aufdringlich Pointen produziert und den Text seiner suggestiven Kraft beraubt.   Marcello spricht und denkt schließlich so umständlich wie jene Akademiker, über die er sich lustig macht – und wird damit zu einer Karikatur seiner selbst. Das mag konsequent sein, erweist sich über 350 Seiten hinweg jedoch als ziemlich anstrengend.

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