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Eine Spurensuche nach Schmetterlingen: Lea Korsgaards neuer Roman

4 min25 mars 2026

Auf Jagd nach allen Schmetterlingsarten Dänemarks 

Eigentlich geisterte der dänischen Journalistin Lea Korsgaard die verrückte Idee schon seit 
Jahren durch den Kopf. 2022 war es für sie dann an der Zeit, sie Wirklichkeit werden zulassen. Im Laufe dieses einen Jahres wollte sie sämtliche tagaktiven Schmetterlingsarten Dänemarks aufsuchen. Sie hatte allerdings keinerlei Ahnung, wie viele es überhaupt gab. Also rief sie ausgewiesene Experten Dänemarks an, wie unter anderem Michael Stoltze, der bereits drei Bücher über 
Schmetterlinge veröffentlicht hatte. Die Zahl, die er nannte, war für sie ein bisschen enttäuschend. In Dänemark gab es vor vier Jahren nicht mehr als 65 Tagschmetterlingsarten, und durch ihn wurde ihr klar, dass sie keines-wegs leicht zu finden sind, nur zu bestimmten Jahreszeiten fliegen und manche Arten 
überhaupt nur wenige Tage oder Wochen im Jahr leben.   Das bedeutete nichts anderes, als dass sich die Suche als ausgesprochen zeitaufwendig und anstrengend erweisen würde. Das konnte ihre Begeisterung, mit der sie sich in die selbstgewählte 
Aufgabe stürzte, nicht mindern. Die ist sogar ansteckend, denn sie schildert sehr lebendig, wie sie auf ihre Entdeckungsreisen  geht: Die führen uns an verborgene Orte, in kleine Waldstücke, auf versteckte Wiesen, zu moras-
tigen Feuchtflecken. Zu kleinen Blumenteppichen im Windschatten großer Sanddünen.  

Faszination Metamorphose 

Als die Journalistin im Januar 2022 mit ihrem Vorhaben begann, lag die Landschaft noch unter einer frostigen Kältedecke. Keine Zeit, um Schmetterlinge flattern zu sehen. Aber – und das begriff sie rasch –in geschützten Hausnischen und Scheunenecken überleben einige Arten in Erstarrung: wie das Tagpfauenauge. Außerdem hatten sich in Baumborken, Bodenlöchern, Heuhaufen Schmetterlingsraupen verkrochen, die nur auf wärmeres Wetter warteten, um sich zu verpuppen.   Das war die zweite Eigenschaft außer den bunten Flügeln, die die Autorin faszinierte und zu langen philosophischen Abhandlungen bis weit zurück in die Antike und die Kirchengeschichte brachte: die Metamorphose. Bevor ein Schmetterling zu dem wird, 
was wir kennen, durchläuft er mehrere Stadien. Erst ist er nur ein unscheinbares Ei, oft farblich so an seine Umgebung angepasst, dass die Forscherin lernen musste, es überhaupt zu entdecken. Dann wächst das Ei zu einer winzigen Raupe heran, die mit jedem weiteren Wachstum ihre alte Raupenhülle in 
einem neuen Raupengewand verlässt. Das geschieht vier bis sechsmal, bevor die Raupe zur Puppe wird, die sich in ein Seidenkissen spinnt, in dem sie wächst und irgendwann die Puppenhülle sprengt und als Schmetterling 
daraus hervorgeht. Der macht sich sofort auf die Suche nach einem  Partner oder einer 
Partnerin, um sich fortzupflanzen. Das ist sein einziger Lebenszweck. 

Exkurse bis zurück in die Antike 

Insbesondere die Kirche verweigerte sich lange, solche Wandlungen anzuerkennen. Dem Glauben nach habe nämlich Gott alle Formen auf der Erde in ihrer Endform, sozusagen fertig 
geschaffen, jede ist in sich vollkommen. Und das ist eine weitere Besonderheit des Buches, die einen für ihre Suche einnimmt: Es ist auch eine sehr persönliche Erzählung über ihr Alltagsleben, ihren Tagesablauf, die Schwierigkeiten, alles unter einen Hut zu bringen. Das war wohl nicht einfach, denn sie 
berichtetet wiederholt von Erschöpfungszuständen.  Die persönliche Ebene ist für ein Wissenschaftsbuch ungewöhnlich, nimmt einen aber für die Autorin ein. Einziger Wermutstropfen: Da sie alle Schmetterlinge fotografiert hat, hätte man gerne einige Bilder seltener Arten abgedruckt gesehen.

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