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Mit Ozempic alles gut? Die US-Philosophin Kate Manne rebelliert gegen Fatshaming

4 min15 april 2026
Als Kate Manne 2017 ihr erstes Buch veröffentlichte, wollte sie ihrem Publikum nicht persönlich gegenübertreten, weil sie sich für ihre Figur schämte. In ihrer neuen Studie „Größe zeigen. Wie wir Fettfeindlichkeit bekämpfen können“ schildert die Philosophin von der renommierten Cornell University ihre eigene Obsession mit dem Dicksein.   „Ich begann, die Fettphobie als eine schwerwiegende, unterschätzte Form struktureller Unterdrückung zu sehen. Schrittweise fing ich an, (..) mit den Diäten aufzuhören, die Obsession loszuwerden und friedlich mit meinem Körper zusammenzuleben“, berichtet die Autorin in ihrem Buch.
Mit einem Wort, ich gelobte, mich nicht kleinmachen zu lassen und Größe zu zeigen. 

Quelle: Kate Manne – Größe zeigen

Fettfeindlichkeit immer ausgeprägter 

Mit ihrem Buch will Kate Manne die Gesellschaft verändern. Immerhin gelten heute ¾ der Amerikaner als übergewichtig – wobei Manne lieber direkt von „Dicken“ oder „Fetten“ spricht.  Die Universität Harvard hat 2019 festgestellt, dass von den häufigsten Formen der Diskriminierung die Fettfeindlichkeit die einzige Negativ-Haltung ist, die sich seit 2007 noch verstärkt hat.   Dicke stünden ganz unten in der gesellschaftlichen Hackordnung. Man wirft ihnen etwa vor, sie würden das Gesundheitssystem belasten. Manne macht ein paar Abstecher in die Medizin, um nachzuweisen, dass Gesundheitsprobleme bei Dicken oft falsch eingeschätzt werden, weil man ihre Probleme einzig auf ihr Übergewicht zurückführt.   Selbst ein zur Objektivität verpflichteter Wissenschaftler wie der berühmte Harvard-Physiologe Ancel Keys, der Erfinder des Body-Mass-Index, gab 1961 gegenüber der Zeitschrift Time zu, dass Dicksein nicht unbedingt koronare Herzerkrankungen verursache.  Er persönlich würde es aber „abscheulich“ und „ethisch abstoßend“ finden.  

Fatshaming trifft besonders Frauen 

Kate Manne kommt zu dem Schluss, dass Fettphobie weniger mit wissenschaftlicher Erkenntnis als mit dem Ekel vor dem allzu weichen, ja weiblichen Körper zu tun hat. Sie stellt Fettfeindlichkeit daher in einen Zusammenhang mit Frauenfeindlichkeit. Das heutige Bemühen von Frauen, „in Form“ zu bleiben, sagt sie, … 
hält ganze Branchen des Spätkapitalismus am Laufen, die mit Diät, Schönheit und sogenannter Wellness befasst sind.

Quelle: Kate Manne – Größe zeigen

„Diese werden durch eine toxische Mischung aus Misogynie, Altersdiskriminierung und Fettfeindlichkeit aufrechterhalten, die oft pflichtbewusst selbst verabreicht wird, um so die Schande zu vermeiden, unser Aussehen, unseren Mann und den Elan vital zu verlieren.“ 

Dicksein einmal nicht als defizitärer Zustand  

Von der Frauenfeindlichkeit schlägt Manne eine direkte Brücke zum Rassismus. Im 19. Jahrhundert wurde Schwarzen in den USA nachgesagt, sie seien dick und faul – in Abgrenzung zum schlanken weißen Körper. In einer noch immer vom Body-Mass-Index dominierten Gesundheits-Logik schneiden besonders schwarze Frauen bis heute schlecht ab.   In dem Mittel Ozempic sieht Kate Manne übrigens keinen Gamechanger. Selbst, wenn die Abnehmspritze gratis und nebenwirkungsfrei wäre, schreibt sie, würde sie es „anstößig“ finden, die körperliche „Diversität“ der Menschen auf einen Standard-Typus zu verengen.  „Man denke analog dazu an die Praktiken, hautaufhellende Cremes zu verwenden, die dunkelhäutige Menschen blasser aussehen lassen“, begründet sie ihre Haltung.
Oder an die Rhinoplastik – umgangssprachlich als ‚Nasenoperation‘ bezeichnet –, um die Anzeichen für eine angeblich jüdische Nase zu minimieren (so wie die meine übrigens) ...

Quelle: Kate Manne – Größe zeigen

Kate Mannes Buch ist vielseitig recherchiert und berührt durch seine Emotionalität. Es überrascht, weil es Dicksein einmal nicht als defizitären Zustand beschreibt. Wer bereit ist, auch Argumente zu akzeptieren, die eher subjektiv sind, der wird das Buch mit Gewinn lesen.  

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