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Neuer Roman von Bestseller-Autor John Grisham: „Das Vermächtnis“

4 min24 mars 2026

Wenig Arbeit, festes Honorar

Simon Latch ist ein Kleinstadt-Anwalt in Braxton, Virginia. Spezialisiert auf Insolvenzen, Scheidungen und Testamente. Wenig Arbeit, festes Honorar. Aber die Leute wollen immer noch etwas mehr: Anteilnahme und Verständnis.
Nach achtzehn Jahren Tretmühle stand Simon F. Latch, Anwalt und Rechtsberater, vor dem Burn-out. Er war die Probleme anderer Leute leid.

Quelle: John Grisham – Das Vermächtnis

Dann kommt die 85-jährige Eleanor Barnett in seine Ein-Mann-Kanzlei. Sie will ein Testament aufsetzen, aber die 250-Dollar-Standardprozedur reicht nicht aus. Zögerlich gesteht sie, dass sie von ihrem Mann viel Geld geerbt hat. Weder ihre Stiefsöhne noch andere Verwandte oder Freunde sollen einen Cent davon bekommen. „Simon spürte ein leichtes Kribbeln im Bauch, als erwarteten ihn wundersame und unerwartete Dinge“, beschreibt Grisham. Anwalt Latch weiß: Mit einem raffinierten Testament könnte für ihn viel Geld herausspringen.

Mord aus Habgier?

Zu ausführlich etabliert Spannungsbestseller-Autor John Grisham in seinem neuen Roman „Das Vermächtnis“ die Ausgangsituation: Latch steht nicht nur kurz vor dem Burn-out, sondern auch vor der Scheidung. Aber dafür fehlt ihm das Geld. Außerdem hat er Wettschulden: Die Basketball-Collegemeisterschaften laufen nicht, wie er es gewettet hat, 7.000 Dollar ist er im Minus. Für Eleanor Barnett sind das nach seiner Einschätzung Peanuts. Kurzum: Simon Latch wird habgierig und ist sich dessen bewusst. Er weiß, dass seine juristischen und menschlichen Winkelzüge abstoßend sind. Erzählerisch sind diese Ansätze von Selbsterkenntnis klug. Latch ist armselig, aber niemals so unsympathisch, dass man nicht Anteil an dem nimmt, was nach rund 200 langatmiger Seiten voller Restaurantbesuche und Selbstmitleid passiert. Eleanor Barnett stirbt. Ein anonymer Anrufer behauptet, sie wurde vergiftet. Ein Kleinstadtcop hat schnell einen Hauptverdächtigen gefunden: Simon Latch.

Alles andere als ein Super-Anwalt

„Bisher wird mir nichts vorgeworfen, aber ich habe das Gefühl, dass ich verdächtigt werde.“ – „Verdächtigt ist gar kein Ausdruck. Ihr Ruf ist ruiniert. Habgieriger Anwalt findet heraus, dass nette alte Dame ein Vermögen besitzt, von dem niemand weiß.“

Quelle: John Grisham – Das Vermächtnis

Latch wird angeklagt und landet vor Gericht. Das ist nun sicheres Grisham-Territorium. Der Bestseller-Autor stellt dem US-amerikanischen Strafsystem abermals ein ernüchterndes Zeugnis aus: Polizisten, die nur so viel ermitteln wie nötig, eine Jury, die ihren Vorurteilen folgt, und eine Staatsanwältin, die mehr an ihre Wiederwahl denkt. Nichts davon ist neu, bei Grisham aber geschmeidig erzählt. Hier kommt ihm auch die langsame Einführung seiner Hauptfigur etwas zugute. Anders als beispielsweise der berühmte fiktive Mitch McDeere aus Grishams Durchbruchroman „Die Firma“ ist Simon Latch alles andere als ein Super-Anwalt. Aber auch ein habgieriger Anwalt verdient einen fairen Prozess.

Lustlose Tätersuche statt spannendem Finale

Doch in „Das Vermächtnis“ belässt es Grisham nicht bei dem Prozess. Nach dem Urteil geht es weiter: Latch macht sich auf, den wahren Täter zu finden. In den USA wird das Buch deshalb auch als der erste Whodunit angepriesen, den John Grisham geschrieben hat. Aber letztlich ist die Tätersuche ein 70-seitiger, wenig inspirierter Nachklapp, in dem man allenthalben auf Genre-Stereotype wie eine geniale Hackerin mit vielen Gesichtspiercings und zu viele halbherzige falsche Fährten stößt. Die Aufklärung ist enttäuschend lustlos – mehr Last-Minute-Idee als sorgsam vorbereitet. Ohnehin spielen die vielen Nebenhandlungen in diesem überfrachteten Roman nur selten eine Rolle. Dabei ist eine besonders vielversprechend: „Das Vermächtnis“ erzählt auch von dem Reiz und der Gefahr der Legalisierung von Sportwetten – nicht nur für Familienväter wie Simon Latch, sondern auch für seine Teenagersöhne. Darin steckt großes Thrillerpotential, zumal Grisham bekanntermaßen selbst Sport-Fan ist. Nur leider nutzt er es in diesem routinierten Langweiler zu wenig. Aber wer weiß: Als Vielschreiber hat er vermutlich schon das nächste Buch in Arbeit.

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