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Marcel Dirsus – Wie Diktatoren stürzen und wie Demokraten siegen

4 min8 juli 2025
Aktuellen Studien zufolge sank die Zahl der Demokratien 2024 auf einen historischen Tiefstand. Autokraten scheinen auf dem Vormarsch zu sein und bekannte Diktatoren wie Mohammad Bin-Salman in Saudi-Arabien oder Wladimir Putin sitzen scheinbar fest im Sattel. Der Politikwissenschaftler Marcel Dirsus beschäftigt sich seit über zehn Jahren mit Diktaturen. In seinem neuen Buch trägt er wissenschaftliche Erkenntnisse zusammen und bringt eigene Erfahrungen ein, an denen es dem ehemaligen Berater internationaler Organisationen wie der NATO nicht mangelt.  

Schwachstellen diktatorischer Regime  

Zunächst erläutert er, dass Tyrannen auf vielerlei Weise von der Macht verdrängt werden können: Zum Beispiel durch Intrigen, wie der russischen Zar Peter III., der durch ein Komplott seiner Ehefrau Katharina entmachtet wurde. Denn im Gegensatz zu Peter, der bei seiner Gefolgschaft für Unmut sorgte, war sie äußerst beliebt und konnte sich deren Unterstützung sichern. 
Einer seiner Generale riet [Peter], nach St. Petersburg zu marschieren. […][Dort] machte Katharina den denkbar kühnsten Schachzug. Nachdem sie die grüne Uniform der Kaiserlichen Garde angezogen hatte, stieg sie auf einen weißen Hengst und führte selbst ihre Armee an, um Peter zu beseitigen. Letztlich war sie nur noch dazu bereit, seine bedingungslose Abdankung zu akzeptieren.

Quelle: Marcel Dirsus – Wie Diktatoren stürzen und wie Demokraten siegen

Die im Buch nacherzählten Szenen stammen aus verschiedenen Epochen und Weltregionen: Dirsus berichtet von der Paranoia des Machthabers in Äquatorialguinea, den Intrigen der madagassischen Königin Ranavalona I. oder dem Putschversuch gegen den gambischen Machthaber Yahya Jammeh. 

Gelungene Mischung aus wissenschaftlicher Theorie und Gedankenexperimenten 

Das Buch ist aber keineswegs eine bloße Zusammenschau von Ereignissen. Der promovierte Politikwissenschaftler erläutert auch die komplexen Strukturen hinter dem System oder Fachbegriffe wie das „Counter-Balancing“. Dabei baut ein Diktator parallel zu den regulären Streitkräften eine Paramiliz auf, um für Konkurrenz zu sorgen. So versammelt er militärische Kräfte, ohne Gefahr zu laufen, dass eine geeinte Kampftruppe gegen ihn putscht.   Erleichtert wird die durchaus anspruchsvolle Lektüre durch spannend erzählte Szenen und interaktive Elemente. Der Autor stellt offene Fragen und fiktive Szenarien laden Leserinnen und Leser zum Perspektivwechsel ein. 
Versetzen Sie sich für einen Moment in die Lage eines Soldaten. Sagen wir, Sie sind John, ein 27-jähriger Infanterieoffizier. Wenn [ein Staatsstreich] im Gange ist, stehen Sie vor einer Einheit aus Männern und Frauen, die Sie befehligen, und versuchen, eine Entscheidung zu treffen. Sie können sich entweder den Verschwörern anschließen und versuchen, die Regierung zu stürzen, oder dem Regime treu bleiben, um den Status quo zu verteidigen. Was würden Sie tun?

Quelle: Marcel Dirsus – Wie Diktatoren stürzen und wie Demokraten siegen

Demokraten sollten den Wandel unterstützen, aber nicht initiieren 

Dirsus verschweigt nicht, wie grausam und brutal viele Diktatoren ihre Macht verteidigen. Er macht auch klar, dass Diktaturen durchaus lange währen können und viele Umsturzversuchen scheitern. Außerdem führt auch der Sturz eines Diktators nicht zwangsläufig zum Systemwechsel. Auch stellt Dirsus fest, dass die Bilanz von außen erzwungener Regimewechseln „miserabel“ sei: Nur etwa 11 Prozent der US-amerikanischen Regime-Wechsel-Operationen mündeten in einer Demokratie. Eine übergriffige Einmischung ist also wenig hilfreich. Auch stellt Dirsus fest, dass die Bilanz von außen erzwungener Regimewechseln „miserabel“ sei: Nur etwa 11 Prozent der US-amerikanischen Regime-Wechsel-Operationen mündeten in einer Demokratie. Eine übergriffige Einmischung ist also wenig hilfreich. Und doch sind Demokraten nicht gänzlich die Hände gebunden: Zum Beispiel können sie einen bereits begonnen Systemwandel durch gezielte Sanktionen oder Wiederaufbauhilfe unterstützen.  „Wie Diktatoren stürzen können…“: Der Titel des Buches mag etwas theatralisch klingen, doch der Inhalt überzeugt: Das lebhafte Wechselspiel zwischen Theorie und Praxis, zwischen Fakt und Fiktion mündet in einem aufschlussreichen Fazit. Statt panisch vor dem Erstarken diktatorischer Regime zu warnen, setzt er sich aufmerksam und wissenschaftlich fundiert mit dem Wesen von Diktaturen auseinander – und zeigt, dass auch sie nicht von Dauer sind.  

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