Am 9.6.1891 erreicht Paul Gauguin Tahiti - und findet statt Paradies die koloniale Realität. Doch warum schaffen seine Werke einen Mythos, der bis heute unser Bild prägt?
In diesem Zeitzeichen erzählt Laura Dresch:
- warum Paul Gauguin 1891 nach Tahiti reist,
- wieso sein Traum vom unberührten Südseeparadies schon bei der Ankunft zerbricht,
- wie seine Bilder bis heute unsere Vorstellung von Tahiti prägen.
Als Paul Gauguin am 9. Juni 1891 in Papeete ankommt, sucht er tropische Natur, Ursprünglichkeit, ein Leben fern von Paris, Kunstmarkt und Industrialisierung. Doch am Hafen erwartet ihn nicht die erträumte Wildnis, sondern französische Architektur, koloniale Verwaltung und europäische Mode. "Das war ja Europa", notiert er enttäuscht.
Gauguin bleibt trotzdem. In einem Dorf beginnt er, Tahiti in kräftigen Farben neu zu erfinden: Fischerinnen, Gärten, Rituale, Frauen am Strand. Doch viele dieser Bilder zeigen nur eine Collage aus Fantasie und kolonialen Klischees. Gauguin wird damit zum Wegbereiter der Moderne und zugleich zum Schöpfer eines Mythos, der das europäische Bild der Südsee bis heute prägt.
Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
- Dr. Nadine Engel (Museum Folkwang)
- Paul Gauguin: Noa Noa, Paris 1901
- Georg-W. Költzsch (Hrsg.): Paul Gauguin. Das verlorene Paradies (Ausstellungskatalog Museum Folkwang Essen; Neue Nationalgalerie Berlin), Essen 1998
- Raphaël Bouvier und Martin Schwander (Hrsg.): Paul Gauguin (Ausstellungskatalog Fondation Beyeler, Riehen/Basel), Riehen/Basel 2015
- Ralph Gleis und Anna Kærsgaard Gregersen (Hrsg.): Paul Gauguin. Why are you angry? (Ausstellungskatalog Alte Nationalgalerie Berlin), Berlin 2022
Weiterführende Links:
- Zeitzeichen: Kolonialismus kitschig verklärt: Frieda von Bülow
- Zeitzeichen: Renoir: Mit angebundenen Pinseln malt er gegen den Schmerz
- Zeitzeichen: Blaue Pferde, neue Kunst: Franz Marc (geb. am 8.2.1880)
- Zeitzeichen: Der Todestag des Malers August Macke (am 26.9.1914)
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Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autorin: Laura Dresch
Redaktion: Matti Hesse
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